Birnauer Kantorei          Putto
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Liebe Konzertbesucher,
liebe Freunde der Birnau und der Geistlichen Musik in der Birnau

Mit drei ausdrucksstarken, in Charakter und Aussage sehr unterschiedlichen Werken - entstanden zwischen 1822 und 1845 - eröffnen wir mit der Birnauer Kantorei unsere neue Saison.

Otto Nicolai, 1810 in Königsberg geboren, ist heute vor allem durch seine komische Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" bekannt, uraufgeführt in seinem Todesjahr 1849. Mit dem Orchester des Kärntnertortheaters Wien, wo er angestellt war, begründete er 1842 die Philharmonischen Konzerte, deshalb gilt er heute als Gründer der Wiener Philharmoniker. Weniger bekannt ist sein geistliches Werk, das neben a cappella-Literatur auch orchesterbegleitete Kirchenmusik enthält, darunter eine einzige vollständige Vertonung des Messordinariums, die heitere, schwungvolle und melodisch eingängige Messe in D. Zwar erklang sie erstmals schon 1832 im Posener Dom, aber Nicolai arbeitete das Stück 1844 in Wien um und brachte es dort, in Raab und später noch im Salzburger Dom und in Berlin selbst zur Aufführung. Da das Material bis auf die Salzburger Noten verschollen ist, erklingt heute in der Regel diese Fassung. 

Franz Schubert arbeitete 1822 an einer Symphonie in h-moll, von der er zwei Sätze ausarbeitete. Zumindest ein weiterer Satz wurde skizziert, 20 Takte lang auch orchestriert, dann bricht die Handschrift ab. Warum ließ Schubert das Werk "unvollendet", obwohl nichts daran zweifeln lässt, dass er ursprünglich eine normale viersätzige Symphonie schaffen wollte? War alles ausgesagt mit zwei Sätzen, war das Werk abgeschlossen? Kam Schubert nicht mehr weiter und vergaß endlich den Torso? Wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass der Dirigent Johann von Herbeck 1865 ( 37 Jahre nach Schuberts Tod ) bei Schuberts Freund Anselm Hüttenbrenner auf die Noten stieß und die "Unvollendete" in Wien zur Uraufführung brachte. An Versuchen einer Komplettierung fehlte es seither nicht, keiner setzte sich durch, zu einmalig sind Atmosphäre und Werkgestalt dieser Symphonie.

Auf seiner Hochzeitsreise im Frühjahr 1837 durch das Elsass und den Schwarzwald schuf Felix Mendelssohn Bartholdy den größten Teil seiner Vertonung des Psalm 42 in der Luther-Übersetzung "Wie der Hirsch schreit"; 1838 erklang das Werk erstmals im Gewandhaus Leipzig. Nach Worten seines Freundes Robert Schumann erreichte er damit "die höchste Stufe, die er als Kirchenkomponist, ja die neue Kirchenmusik überhaupt" erlangen konnte. Typisch für Mendelssohns Stil sind die weitgeschwungene und weich getönte Melodik, der Anklang an kirchenmusikalische Vorbilder wie Bach und Händel, aber auch a cappella-Meister.
Dem Psalmtext ist dann noch die Passage "Preis sei dem Herrn" angefügt, gleichsam als "Gloria Patri" - Mendelssohn nutzt das für eine kraftvolle Schlussfolgerung. 

Prof. Thomas Gropper, künstlerischer Leiter