SÜDKURIER , 30.09.2014

Klaus Reiners dirigiert letztmals Birnauer Kantorei

Abschied vor großer Kulisse: 48 Jahre lang dirigierte Klaus Reiners die Birnauer Kantorei. Nun hat der 79-Jährige letztmals den Taktstock geschwungen

Das vierte und letzte Konzert der Birnauer Kantorei in der Barock-Basilika über dem Bodensee in der Reihe „Geistliche Musik Birnau“ war in diesem Jahr ein besonders ergreifendes: Mit ihm verabschiedete sich der Kantorei-Mitgründer im Jahr 1966 sowie erster und bisheriger Dirigent Klaus Reiners. Noch in diesem Jahr kann der agile und leidenschaftliche Kirchenmusiker aus Wangen im Allgäu das 80. Lebensjahr vollenden. Als künstlerischer Leiter der Kantorei hatte er zu seinem Abschied bewusst das Lob und den Dank an Gott – „soli deo gloria, allein Gott die Ehre“ war ihm Leitmotiv seines künstlerischen Wirkens“ – und die Menschen wortwörtlich „betont“: mit den differenzierten Werken „Lobpreisung“ von Felix Mendelssohn Bartholdy – die Sinfonie-Kantate op. 52 nach Worten der Heiligen Schrift – sowie mit Anton Bruckners „Te Deum“. Chor, Orchester und Solisten setzten Dank und Lob in Inhalt und Sinn des Konzertes in exzellenten Klang für ihren „Maestro“ um. Das Publikum erlebte einen musikalischen Höhepunkt.

Mendelssohn hatte zum Buchdruckjubiläum im Jahr 1840 den „Lobgesang“ komponiert. In der Leipziger Thomaskirche wurde diese Symphonie uraufgeführt. Den drei vorangestellten Orchestersätzen in wechselnden Tempi mit erhabenem Zwischenruflob der Blechbläser bis hin zum andächtig-inbrünstigen „Adagio religioso“ folgten neun Vokalsätze im Einzel- und Zusammenklang von Chor und Solisten. Bibeltexte, vor allem aus der Psalmliteratur, sind Grundlage: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“. Trotz Not, Trübsal, den „Stricken des Todes“ und der Dunkelheit bekräftigten Solisten und Chor gleich mehrfach innere Zufriedenheit und Sicherheit, denn (in hohem, freudigem Ton) „die Nacht ist vergangen“. Deshalb gilt es, Gott zu danken und seine Güte zu rühmen, abzulegen die Waffen der Finsternis und anzulegen die Waffen des Lichtes. Sehr ausdrucksvoll, fast im Sprechgesang, ruhig und fest in der Aussage, sangen die 75 Sängerinnen und Sänger im Chor Text und Melodie von Martin Rinckart: „Nun danket alle Gott“. Klaus Reiners war, so sagte er später, beim „Lobgesang“ tief berührt vom Text „Drum sing ich mit meinem Lied ewig dein Lob, du treuer Gott“ - ein Ausdruck für Dankbarkeit und pure Zuversicht!

Sein „Te Deum“ nannte Anton Bruckner „den Stolz meines Lebens“, quasi Eintrittsmelodie für den Himmel. Im Jubel eröffnete der Chor: „Te Deum laudamus“, vom Orchester begleitet. Majestätisch-glanzvoll das „Sanctus“. Im Lob für Gott wechselten sich Solisten und Chor ab. Melodisch schön das Tenorsolo „Te ergo quaesumus.“ Die Bläser unterstrichen mit dem Chor kräftig die Hoffnung, „in Gemeinschaft mit Deinen Heiligen ewigen Ruhmes teilhaftig zu werden“. Auch in der Zuversicht, dass das Volk gerettet und sein Erbteil gesegnet werde, sangen Chor und Solisten im Wechsel. Der letzte Teil war lyrisch-zart von den Solisten eingeleitet und steigerte sich ausgedehnt in einer Fuge zum Bekenntnis voller Hoffnung: „In te Domine speravi; non confundar in aeternum – Auf Dich, Herr, habe ich gehofft; ich werde nicht zuschanden in Ewigkeit.“

 Theo Wieland