Schwäbische Zeitung ,30.09.2014


Festlich gestimmt

Abschiedskonzert des Dirigenten Klaus Reiners in der Birnau
Klaus Reiners, Gründer und Leiter der Birnauer Kantorei, sagt mit einem glanzvollen Konzert Ade. Zu hören waren Werke von Bruckner und Mendelssohn.

Nach dem festlichen Aufschwung von Bruckners „Te Deum“ hatten einmal nicht die Glocken der Basilika Birnau das letzte Wort, sondern die herzlichen Dankesworte von Pater Prior Johannes Brügger. Nicht zu vergessen der lang anhaltende Applaus von Publikum, Solisten, Orchester und Chor, der dem scheidenden Dirigenten Klaus Reiners für seine Lebensleistung als Gründer und Leiter der Birnauer Kantorei galt.

Nach 48 Jahren hatte so mancher aus der treuen Gemeinde der Freunde und Mitwirkenden eine Träne der Rührung und der Wehmut im Augenwinkel. Nicht aber der bald 80-jährige Jubilar, der zuvor Chor und Orchester der Birnauer Kantorei durch Mendelssohns „Lobgesang“ und eben Bruckners „Te Deum“ gesteuert hatte - aufrecht und mit leidenschaftlichem Engagement wie stets. Die Abendsonne tauchte den barocken Kirchenraum dazu in festlich funkelndes Licht, ließ Putti, Altäre und Heiligenfiguren um die Wette strahlen mit der prachtvollen Musik. Der Ruf der Posaunen mit dem allgegenwärtigen Thema von „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“, das Mendelssohns Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ durchzieht, hatte Klaus Reiners als Motto für sein letztes Konzert, sein letztes Konzertjahr in der Birnau, eigentlich für sein ganzes Leben als Kirchenmusiker gedient. Drei ausgedehnte Sinfoniesätze rückten zudem noch einmal das Orchester mit Konzertmeister Roland Baldini ins Licht – das Orchester der Birnauer Kantorei wird es unter dem Nachfolger Thomas Gropper nicht mehr geben.

Sich auf Neues einlassen

Im Miteinander von zwei so unterschiedlichen Werken, von festlich gestimmtem Chor, den Bruckner in höchste Sopranhöhen schickt, mächtigem Orchester und vier Solisten erlebte man ein glanzvolles Abschlusskonzert. Für seinen Einstand als neuer Leiter am 3. Mai des kommenden Jahres hat Thomas Gropper Haydns „Schöpfung“ gewählt: Der Kantorei ist zu wünschen, dass sie sich auf Neues ebenso einlässt wie sie Traditionen gepflegt hat. Klaus Reiners lebt es seinen Sängern vor, indem er jetzt loslässt.

Katharina von Glasenapp